
Gensungen – „Es kribbelt schon“, sagt Lukas Voß, „viel früher als vor einem normalen Heimspiel.“ Denn: Ein „normales Heimspiel“ ist die Partie von Regionalliga-Tabellenführer ESG Gensungen/Felsberg gegen die HSG Breckenheim/Wallau/Massenheim (Sa. 19.30 Uhr, Kreissporthalle Gensungen) nicht. Tabellarisch ein Spitzenspiel und darüber hinaus für den Edertaler Torwart und seine Vorderleute die alles überstrahlende Chance, bereits sieben Spieltage vor Schluss Meisterschaft und Aufstieg in die 3. Liga perfekt zu machen.
Und diesen Matchball nach bisher grandioser Saison – 20 Siege aus 21 Spielen – wollen die Gastgeber unbedingt nutzen. „Wir setzen alles auf eine Karte“, verspricht der 25-jährige Korbacher. Sein Trainer Fynn Welch weiß um den unbändigen Willen seiner Schützlinge, nimmt sie aber auch in die Pflicht: „Wir dürfen nicht überdrehen.“ Drum gelte es, „eine gute Balance aus Fokussierung und Leichtigkeit“ zu finden.
Im Hinspiel war`s lange eng
Auch Julian Damm strebt danach, „so früh wie möglich alles klar zu machen“. In der Titelfrage und – als Voraussetzung – zuvor gegen den spielstarken Tabellenvierten. Im Hinspiel war`s lange eng. Da brauchten die Nordhessen einen furiosen Schlussspurt von 21:20 (50.) auf 21:28, um spät, aber rechtzeitig auf die Siegerstraße einzubiegen. Der Zocker-Rückraum mit den jungen Wilden Edin Fitozovic und Denny Bikic, frisch eingewechselt für die Shooter-Aufbaureihe um Max Bieber und geführt vom erfahrenen Kreisläufer Damm, richtete es. Furios, mit Spielwitz und überraschend abgezockt.
Womit die Gensunger erneut einen Trumpf ausspielten, der sie nun vorzeitig von der Regionalliga-Meisterschaft träumen lässt: ihre spielerische und individuelle Qualität in der Breite. Hinzu kommt mit dem vierten Rückraumspieler ein mittlerweile bewährtes taktisches Mittel, um offensive 3:2:1-Deckung des Gegners vor den starken Schlussleuten Sebastian Schermuly und Dennis Quandt zu knacken. Was in der ehrwürdigen Hans-Jürgen Portmann Halle indes 50 Minuten nur dürftig gelang.
Und in der letzten Saison (bei zwei Niederlagen gegen die Südhessen) überhaupt nicht. „Wir wissen, wie es geht. Und deshalb reisen wir keineswegs an, um nach dem Spiel auf die Meisterfeier eingeladen zu werden“, beschreibt Manager Gilles Lorenz die Motivation des Verfolgers, obwohl der fünf Dauerverletzte (Lukas Crecelius, Julius Lunnebach, Jacob Kiedrowicz, Leon Stamm und Tom Klein) zu beklagen hat. Immerhin kehrt der quirlige Spielmacher Yannick Sinnecker nach überstandener Krankheit ins Team zurück, den die Welch-Schützlinge im ersten Vergleich lange nicht in den Griff bekamen. Genauso wenig wie die pfeilschnellen Außen Lukas Kummerer und Dominik Krawczak, die zusammen 214 der 584 HSG-Tore erzielten.
„Das wird kein Selbstläufer“, warnt daher ESG-Torwarttrainer Harald Birk. Was aber kein Nachteil für seine Mannschaft, in die Linksaußen Teja Sonnenschein zurückkehrt, sein muss. Denn die könne „gegen einen solch` starken Gegner zeigen, dass wir ein würdiger Meister sind.“ So früh in der Saison, wie das wohl nach drei vergeblichen Anläufen nur Berufsoptimisten erwartet hätten.RALF OHM
Wird die dritte Halbzeit zur Meisterfeier?
Die dritte Halbzeit hat in Gensungen Tradition und einen exzellenten Ruf. Nach der Partie der ESG gegen Breckenheim/W/M könnte es eine der ganz speziellen weil seltenen und herbeigesehnten Art werden: eine vorgezogene Meisterfeier. Der Rahmen, eine volle Halle (die Sitzplätze sind bereits ausverkauft), steht, nun muss der Tabellenführer noch liefern. Darauf liegt für Tobias Rummeleit erstmal der Fokus, „alles andere wird sich finden“. Der Technische Direktor selbst bastelt schon kräftig am Kader des neuen Trainers Heinrich Wachs, der bis auf einen Linkshänder im rechten Rückraum, der noch gesucht wird, bereits komplett ist. Weiterhin gilt es, Verein und Umfeld für die neuen Aufgaben fit zu machen. „Wir müssen uns weiterentwickeln“, sagt der ESG-Chef. Der natürlich längst für die 3. Liga plant. In der Hoffnung, am Samstag gegen 21.15 Uhr Planungssicherheit zu haben.
Quelle: HNA Homepage