
Aufsteiger dreht das Spiel nach 21:25 und schlägt Wilhelmshaven mit 33:30
Gensungen – Als sich die Geschichte gegen ein Spitzenteam der 3. Handball-Liga nur eine Woche nach dem 33:38 gegen den TuS Vinnhorst zu wiederholen drohte, drehte die ESG Gensungen/Felsberg mächtig auf. Rührte in der Deckung endgültig Beton an. Legte offensiv alle Hemmungen ab. Und schrieb ihre eigene Geschichte: ein furioser 33:30 (13:16)-Erfolg gegen den ehemaligen Erstligisten Wilhelmshavener HV.
„Wir haben uns in einen Rausch gespielt“, erklärte Aufbauspieler Kothe die berauschende Aufholjagd inklusive finaler Wende. Die hatte ihren Ausgangspunkt in einer Auszeit, als sich viele der 650 Zuschauer an das Heimdebüt des Aufsteigers erinnert fühlten: Wieder hatte der Außenseiter gegen einen Titelkandidaten gut mitgehalten, wieder schien er aber im Laufe der zweiten Halbzeit der Konstanz und Routine des prominenten Gegners Tribut zollen zu müssen.
Nicht mit Heinrich Wachs. „Wir müssen mit vollem Mut auf die Deckung gehen“, spornte der Trainer seinen bisweilen etwas zögerlichen Rückraum nach dem 21:25-Rückstand (42.) an. Und legte nach: „Wir sind die bessere Mannschaft, müssen das aber auf die Platte bringen.“ Zu diesem Zeitpunkt eine gewagte Aussage, die sich aber in der Folge nach und nach bestätigte.
Weil besonders Vince Schmidt nicht mehr zu halten war. In der ersten und zweiten Welle, aber auch bei seinen fulminanten Durchbrüchen. Nach eigener Aussage „beflügelt“ von der Geburt seines Sohnes, auch wenn der den Papa in der letzten Nacht nur vier Stunden schlafen ließ. Von „puren Willen“ und „puren Kampf“ sprach der Rückraumspieler, der sich keinen Kopf um den Rückstand gemacht hatte und sich schließlich „wie in einem Film fühlte“. Zum dramatischen Drehbuch gehörte ein 6:0-Lauf zum 27:25 (51.) seiner Mannschaft, zu dem er drei Treffer beitrug.
Und eine überragende Gensunger Abwehr, die nun gar nichts mehr anbrennen ließ, perfekt verschob, zum richtigen Zeitpunkt den Zweikampf suchte, um des Gegners Übergänge zu unterbinden. Und um den starken Rückraumduo Skwarczyski/Behrend den Zahn zu ziehen. Den Rest besorgte Torwart Lukas Voß, der nach seiner Einwechslung im zweiten Versuch voll da war. „Da sind wir schon zeitweise über unsere Grenzen gegangen“, staunte sogar der ESG-Coach, während Franco Rossel mit Fug und Recht behaupten konnte, „dass wir den Gegner mürbe gespielt haben.“
Und als die HHV-Abwehr den überragenden VSchmidt endlich auf dem Kieker hatte, explodierte Jannis Kothe, traf wie er wollte. Zwar konnten die Gäste durch Duncan Postel und Jan Bennet Behrends nochmals ausgleichen (29:29), doch dann brachten zwei Treffer des Kapitäns und dessen umjubelter Kempa-Trick mit Max Bieber (58:25) die ESG auf die Siegerstraße.
Für den Kapitän auch eine „Frage der Ehre“, nachdem der Linkshänder in der ersten Hälfte blass (und torlos) geblieben war. Da fehlte dem Edertaler Rückraum bisweilen die Tiefe und die Konsequenz im Abschluss, was Torwart Jakub Lefan glänzen ließ. Doch auch der wurde entzaubert, verließ nach 49 Minuten und 16 Paraden das Feld, ohne dass sein Nachfolger Levin Stasch den ESG-Zug hätte aufhalten können.
„Wir haben das Spiel aus der Hand gegeben“, beklagte Wilhelmshavens Coach Christian Köhrmann neben 19 Fehlwürfen vor allem 19 technische Fehler. Provoziert von einem Gegner, der seinen Fans das erste Handballfest der neuen Saison in der neuen Liga bescherte.
ESG: Voß (6 P./19 Gt.), Goldmann (6/11); Sonnenschien 1, Rulff, Schmidt 10, Backhaus 3, Kindl 1, Bieber 2, Damm 1, Bikic 1, Fitozovic 3, Lippold, Kothe 5, Garde 2/1, Rossel 3.
WHV: Lefan 16/26, Stasch (2/7); Postel 3, Otten 1, Dröge, Vogt, Skwarczyski 4, Braun 8/3, Schweigart 3, Behrends 3, Kozul 5/2, Frangen 3.
SR: Herbst/Oliva (Leipzig). Z: 650.
Siebenmeter: 3/2:6/6.
Zeitstrafen: 12:4-Minuten.
Quelle: HNA Homepage