
Gensungen – Das war souverän, phasenweise sogar meisterlich. Das war ein Ausrufezeichen im Titelkampf der Regionalliga. Das war vor allem aber eine allseits gelobte geschlossene Mannschaftsleistung des Tabellenführers. So trugen 14 verschiedene Torschützen zu einem jederzeit ungefährdeten 36:21 (18:10)-Erfolg der ESG Gensungen/Felsberg gegen Verfolger TV Petterweil bei.
Das war darüber hinaus ein Handballabend, wie ihn sich der Trainer eines Titelanwärters wohl vorstellt. Der schickt erstmal seine Stammbesetzung aufs Feld, die schon nach 20 Minuten für klare Verhältnisse sorgt. Die darf danach pausieren, während der vermeintliche zweite Anzug das Werk – der 15. Sieg im 16 Spiel – kunstvoll vollendet. „Überzeugend“ fand das Fynn Welch, dessen Warnungen vor dem Vizemeister der Hinrunde offensichtlich gefruchtet hatten.
In Abwehr und Angriff. Schon nach 1:46 Minuten. Da waren die Gäste durch ihre Flügelzange Saam/Habenicht mit 2:0 in Führung gegangen. Nach geplanten Muster: durch Tempogegenstöße. Ein flüchtiges Vergnügen. Der Favorit antwortete mit einem 6:0-Lauf. Mit einem wieselflinken Rückzugsverhalten, was keine weitere „leichten“ Tore des Gegners mehr zuließ. Mit einem eigenen unwiderstehlichen Umschaltspiel per erster und zweiter Welle. Und mit einer kompakten 6:0-Deckung, die den TVP-Rückraum stets im Griff hatte, ja kaum eine Abschlussmöglichkeit ließ.
Das Besondere daran: Auf diesem Niveau agierte der Spitzenreiter ohne Pause die vollen 60 Minuten. Mit unterschiedlichem Personal. Denn nachdem Vince Schmidt mit seinem fünften Tor auf 13:7 erhöht hatte (20.), hatten der angeschlagene Torjäger (Rückenbeschwerden) und Nebenmann Max Bieber bereits ihre Schuldigkeit getan. Der Shooter-Rückraum wurde durch die „jungen Wilden“ (Schmidt) Denny Bikic und Edin Fitozovic ersetzt.
Eine „echte Offensivoption“, wie der ESG-Coach betont. Oder laut Bikic die „jugoslawische Alternative“, da beide Youngster bosnische Wurzeln haben. Und neben Spielmacher- auch Zockerqualitäten. „Immer mal wieder was Spezielles aufs Feld bringen“, wie Vince Schmidt seine Vertreter lobt. So wurden nach ihrer Einwechslung zunächst der treffsichere Jannis Kothe dreimal effektvoll freigespielt und nach dem Wechsel auch Kreisläufer Julian Damm miteinbezogen, der sich mit einem Doppelschlag zum 27:15 (46.) bedankte. Dem Tor des Tages, ein Klasse-Dreher zum 33:18 durch Teja Sonnenschein (54.), ging ein Traumanspiel von Denny Bikic voraus.
„Das ist unsere Aufgabe“, sagt der 18-Jährige, der ganz nebenbei auch noch selbst vier mal traf. Beim Lückenreißen in der überforderten Petterweiler Abwehr aber auch schon mal selbstkritisch „leicht überdrehte“, so dass sogar noch einige Chancen ungenutzt blieben – der einzige „kleine Kritikpunkt“ (Welch) des Trainers.
Der sich ansonsten aber darüber freuen konnte, dass die ESG 2026 offenbar nochmal zugelegt hat. Die Derbyniederlage in Baunatal macht`s laut Abwehrstratege Franco Rossel möglich, „denn die hat uns auf dem Boden der Tatsachen zurück gebracht.“ Die sprechen nun wiederum dafür, dass seine Mannschaft auf dem Weg in die 3. Liga kaum noch zu stoppen ist.RALF OHM
ESG: Voß (15 Paraden/14 Gegentore), Kowalski (ab 43., 4/7); Iffert 1, Sonnenschein 2, Schmidt 5, Backhaus 3, Otto 1, Bieber 1, Damm 2, Bikic 4, Fitozovic 2, Lippold 3, Kothe 7, Garde 1, Rossel 2.
TVP: Ullrich (9/31), Michalke (3/5); Henneberger 1, Smolka 1, Pfeiffer 2, Koffler 1, Pape 2, Asam 1, Habenicht 3/2, Wassberg 2, Saam 3/1, Rudolf 1, Pletz 1, Bouali 2.
SR: Markovic/Rohs.
Siebenmeter: 1/0:5/3.
Zeitstrafen: 0:6-Min. Z: 500.
Quelle: HNA Homepage