
Gensungen/Kirchhof – Ganz egal in welcher Sportart: Dass Trainer knapp ein Jahrzehnt lang dasselbe Amt bekleiden, wird immer seltener. Und diejenigen, die es doch machen, gelten in der lokalen Szene fast schon als Exoten. Martin Denk, der seit 2017 das Juniorteam der SG 09 Kirchhof betreut, und Philipp Kamm, der die ESG Gensungen/Felsberg II gar seit 15 Jahren trainiert, sind im Schwalm-Eder-Kreis womöglich die letzten Verbliebenen ihrer Art – und dennoch nicht müde.
Ob das alles so geplant war? „Auf gar keinen Fall habe ich das damals gedacht“, sagt Denk, der die Löwinnen vor neun Jahren von Andreas Milke übernommen hatte. Da war der Kirchhofer Unterbau gerade in die Oberliga (heutige Regionalliga) aufgestiegen, befand sich im absoluten Stimmungshoch. Eine Situation, von der in Gensungen sechseinhalb Jahre zuvor freilich nicht die Rede sein konnte. Im Januar 2011 befand sich die Reserve der damaligen HSG Gensungen/Felsberg im Abstiegskampf der Bezirksoberliga. Kamm, damals eigentlich noch aktiver Torwart im Edertal, hatte sich frisch das Kreuzband gerissen, als der bisherige Trainer, Volker Umbach, entlassen wurde. „Ich wurde dann gefragt, ob ich das Team zusammen mit Reiner Wagner bis Saisonende übernehmen möchte“, erinnert sich Kamm, der prompt seine Bereitschaft erklärte und auch nach jener Spielzeit im Amt blieb. Allein schon deshalb, weil ihm der Klub am Herzen lag, hatte er doch seine gesamte Spielerkarriere in Gensungen verbracht.
Ein wichtiger Umstand, der trotz des wachsenden Leistungsgedankens im Handball, nicht zu unterschätzen ist. Auch Denk pflegt eine besondere Beziehung zu seinem Verein. Schon im Kindesalter wurde der Coach des heutigen Oberligisten von seinen Eltern, Renate und Berthold Denk, die beide seit Jahrzehnten in der Führungsebene des Klubs tätig sind, mit in die Sporthallen genommen. „Das hat mich natürlich geprägt“, berichtet Martin Denk von seinem Kennenlernen mit der Sportart. Von der er nie wieder loskam. Als Spieler war er unter anderem für die männlichen Jugendteams der SG 09 sowie für die MT Melsungen II im Einsatz, ehe er 2017 seine Spielerkarriere bei der TG Rotenburg beendete.
Da war seine Trainerlaufbahn schon in vollem Gang. Bevor er in jenem Sommer die Reserve übernahm, hatte er schon mehrere Jugendteams der SG trainiert. „Mir macht es einfach unglaublich viel Spaß, die Mädels zu begleiten und an ihrer sportlichen Entwicklung mitzuwirken“, erklärt Denk seine Leidenschaft. Wie groß die ist, machte ihm auch ein lehrreiches Halbjahr als Trainer der Zweitliga-Mannschaft 2021 klar. Interimsweise sollte er die Mannschaft – neben seiner Tätigkeit bei der Zweiten – bis zum Saisonende leiten, nachdem sich Gernot Weiss verabschiedet hatte. „Das hat Spaß gemacht, aber ich habe gemerkt, dass das nicht das Richtige für mich war“, sagt Denk, der mit den Löwinnen am Ende aus der 2. Bundesliga abgestiegen war.
Kamm weiß ebenfalls, wie sich Abstiege anfühlen. 2023 musste er diese Erfahrung machen, als die ESG II aus der Landesliga zurück in die Oberliga abgestiegen war. Von seinem Weg als überzeugter Trainer hat ihn das jedoch nicht abgebracht. „Die Liebe zu dieser zweiten Mannschaft ist einfach viel zu groß“, sagt der 37-Jährige. Wenngleich es nicht allein geht, wie er betont: „Vor fünf Jahren habe ich, auch wegen meiner Kinder, gemerkt, dass das zeitlich nicht mehr machbar ist.“ Der Verein war sogar schon auf der Suche nach einem Nachfolger. Und wurde fündig. Hannah Puntschuh stieß zur Reserve dazu, übernahm jedoch nicht das Zepter von Kamm. Stattdessen sind beide seither gleichberechtigt für die Mannschaft zuständig. „Wir teilen uns auch die Trainingseinheiten auf“, sagt Kamm, dem wichtig ist, dass seine Kollegin nicht als „Co-Trainerin“ angesehen wird.
Wie lange Kamm noch Coach beim Oberligisten, der die abgelaufene Saison nach starken Leistungen auf dem siebten Platz abgeschlossen hat, bleiben will? „Ich habe mir immer gesagt: So lang, bis ich vor Spielen nicht mehr aufgeregt bin. Das bin ich aber noch heute“, sagt er. Dagegen hat Denk eine zeitlich genauer definierte Vorstellung: „Ich schätze mal, ein bis zwei Jahre noch. Dann kann ich mir auch vorstellen, in der sportlichen Führungsebene für das Juniorteam zuständig zu sein“, äußert der 40-Jährige seine Gedanken. Als Trainer für eine Mannschaft zuständig zu sein, kostet eben Reserven. Auch deshalb, weil sich der Handball verändert habe. „Früher war der Sport für alle die Priorität, heute muss man die Mädels schon mal mehr motivieren“, sagt Denk.DENNIS PRITSCH
Martin Denk wurde in Kassel geboren. Der 40-Jährige stammt aus dem Melsunger Stadtteil Kirchhof, wo er auch seine Kindheit verbrachte. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seit nun 15 Jahren lebt der Handballtrainer der SG 09 Kirchhof II in Rotenburg, dem Heimatort seiner Frau. Er arbeitet bei B. Braun.
Philipp Kamm (37) stammt gebürtig aus dem Felsberger Stadtteil Rhünda, wo er auch aufgewachsen ist. Schon sein gesamtes Leben ist er dem Handball in der Dreiburgenstadt verbunden. Erst bei der HSG, dann bei der ESG Gensungen/Felsberg. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt heute auch in Gensungen.
Quelle: HNA Homepage