
Gensungen – Es geht auch ohne Kreisläufer. Und sogar, wenn es der Gegner zulässt bzw. die eigenen Anpassungsprobleme behoben sind, richtig gut. So gut, dass die ESG Gensungen/Felsberg beim 34:19 (15:13)-Erfolg gegen den Tabellenachten TuSpo Obernburg richtig aufdrehte und ihre Tabellenführung in der Handball-Regionalliga untermauerte.
„Souverän“ fand das ESG-Trainer Welch, ohne die Probleme seiner Mannschaft in der ersten Hälfte („Da sind wir unter unseren Möglichkeiten geblieben“) auszublenden. Denn: Auch der Gegner agierte (erwartungsgemäß) mit vier Rückraumspielern. Und darauf fand die Deckung der Gastgeber zunächst nicht die passende Antwort. Keck, Raab und Co. erfreuten sich erstaunlicher Freiheiten, konnten sich immer wieder in passable Wurfsituationen bringen und nutzten das zu einer 5:3-Führung nach acht Minuten. Ausgerechnet in Unterzahl glichen Jona Gruber und Jannis Kothe zwar postwendend aus, doch die Partie blieb – bis zur Pause – eine ausgeglichene Angelegenheit.
Immerhin: Der Gensunger Angriff hatte den Dreh früher raus. Allen voran der überragende Edin Fitozovic. Der leitete die eigenen Offensivaktionen ein und sorgte gleichzeitig für die nötigen Übergänge an den Kreis inklusive entschlossenem Abschluss. „Das kann er“, erklärte der etatmäßige Kreisläufer Julian Damm, der einen überraschend ruhigen Abend erlebte. Der Hochgelobte selbst, der das Tempo nach und nach immer mehr anzog, konnte nicht verhehlen, dass er in dieser Rolle in seinem Element war: „Obernburgs offensive Deckung lag mir. Das hat richtig Spaß gemacht.“
Für Fynn Welch war die Leistung des 20-jährigen Aufbauspielers „ein Sinnbild für die Leistung der gesamten Mannschaft“, die nach dem Wechsel einen entscheidenden Gang hoch schaltete. Besonders die Defensive. Der Taktikfuchs hatte einige kleine, aber entscheidende „Anpassungen“ an seinem 6:0-Verbund vorgenommen, so dass auf einmal die Zuordnung stimmte und der bis dahin durchaus kreative Gast an dieser Gummimauer verzweifelte.
„Wir haben viel besser verschoben und waren am Gegenspieler, wenn der wurfbereit war“, beschrieb Jona Gruber „das andere Auftreten in der zweiten Halbzeit“. Der Ex-Melsunger selbst war im Mittelblock wesentlich daran beteiligt, genauso wie am schnellen Umschalten nach Ballgewinnen.
Neben der (wachsenden) Dynamik der Aufbaureihe, die auch Rechtsaußen Ben Backhaus in Szene zu setzen wusste, ein weiterer Trumpf der Edertaler, die auf insgesamt 15 Treffer aus der ersten und zweiten Welle kamen. Dabei überragte der flinke Max Lippold als überragender Vollstrecker.
Auf der Bank schmorte Bruder Leichtfuß. Der Grund: Die ESG hielt auch im Gefühl des sicheren Aufstiegs sowie des 17. Saisonsieges im 18. Spiel die Konzentration hoch, wozu sicherlich die Erweiterung des eigenen taktischen Repertoires beitrug. „Eine gute Übung für weitere Spiele“ (Welch), die auch den 450 Zuschauern sehr gefiel. Trotzdem ist zu erwarten, dass Julian Damm schon im nächsten Spiel in Vellmar wieder ran muss.RALF OHM
Gensungen: Voß (11 Paraden/16 Gegentore), Kowalski (ab 42.; 2/3); Iffert 1, Sonnenschein, Schmidt 2, Backhaus 2, Otto 1, Bieber 1, Gruber 4, Damm, Bikic 4, Fitozovic 6, Lippold 5, Kothe 5, Garde 3/1, Rossel.
Obernburg: Eberhardt (4/23), Bausch (ab 42., 3/16); Mohr 3, Heinz 1, Raab 2, B. Müller, Scheuring, T. Müller 2, Kunkel 3, Keck 5, Göpfert 3.
SR: Karsazy/Klöckner. Z.: 450.
Siebenmeter: 2/1:2/0.
Zeitstrafen: 4:4-Minuten.
Quelle: HNA Homepage