
Gensungens 30:31-Niederlage gegen Hagen offenbart große Angriffsprobleme
Gensungen – Auf einmal war`s ruhig, gespenstig ruhig in der Gensunger Kreissporthalle. Aus dem Hexenkessel ein Ort der Enttäuschung geworden. Der Schlusspfiff und damit die unerfüllte Hoffnung auf zumindest einen Punkt für den heimischen Handball-Drittligisten gegen den VfL Eintracht Hagen II hatte den 600 Fans der ESG Gensungen/Felsberg den Stecker gezogen. Stattdessen ließ sich nur noch der Jubel der Gästespieler über einen 31:30 (13:13)-Erfolg vernehmen. Nicht lange, denn der Hallensprecher hatte ein schnelles Einsehen, sorgte flugs für Musik als Ablenkung von der vierten Edertaler Niederlage in Folge.
Die wohl am ehesten, weil selbst verschuldet, zu vermeiden gewesen wäre. „Wir haben das Spiel im Angriff verloren“, bekannte Julian Damm. Womit laut des Kreisläufers „die entscheidenden Momente verpasst wurden, um das Spiel zu drehen.“ Und, wie Mannschaftskollege Felix Kindl bedauerte, die eigene starke Abwehrleistung „unbelohnt“ blieb.
Ebenso wie Voß` Paraden. Die hatten den Gastgeber nach einem kapitalen Fehlstart – 2:6 nach zehn Minuten – im Spiel gehalten. Und waren dann der Grundstein für einen 5:0-Lauf zum 13:11 (27.) gewesen, als die ESG-Deckung so richtig Zugriff fand. Auch auf das zunächst wirbelnde Hagener Rückraumduo Reshöft/Srugies. So wurde die junge Zweitliga-Reserve mit eigenen Mitteln düpiert: einer unwiderstehlichen ersten und zweiten Welle des Gegners. Die sprang für einen Positionsangriff in die Bresche, der sich mit der variablen Deckung des Gastes so richtig schwer tat.
Und auch mit der Linie der Schiedsrichter. Grubers Herausstellung nach der erfolgreichen Aufholjagd (28:37) war bereits die fünfte Zeitstrafe der Gensunger. Und ließ die Eintracht (durch Linksaußen Schneider und Aufbauspieler Ernst) noch vor der Pause ausgleichen. Mit der Folge, dass die Einheimischen in der zweiten Hälfte zunächst erneut hinterherliefen.
Immerhin: Auf die ESG-Deckung war weiterhin Verlass. Allerdings: auf den eigenen Angriff nicht. So konnte Felix Kindl, der als Rechtshänder die undankbare Aufgabe hatte, den verletzten Linkshänder Jannis Kothe im rechten Rückraum zu ersetzen, den Neuling zwar wieder in Führung bringen (zum 18:17 in der 36. Minute). Dann aber vergaben Vince Schmidt und Fynn-Nicolai Saam die Chance, diese auszubauen. Das wiederholte sich. Beim 20:19 (39.) durch Teja Sonnenschein, beim 21:20 durch Julian Damm (42.). Die Hagener ließen sich nicht nochmal bitten, zogen mit einem 4:0-Lauf auf 24:21 (50.) davon.
„Wir haben den Deckel nicht draufgemacht“, ärgerte sich Heinrich Wachs, was Gensunges Trainer auf „halbherzige Abschlüsse“ und Probleme in der Spielsteuerung zurückführte: „Da haben wir häufig nicht die richtigen Entscheidungen getroffen.“ Mit der Folge, dass sich seine Angreifer in Wurfpositionen drängen ließen, die den erfahrenen Schlussmann Sven Brockmeyer glänzen ließen, der U 19-Weltmeister Tjorven Knackstedt (bei Nationalmannschaftslehrgang) bestens ersetzte.
Trotzdem. Die Gastgeber, angetrieben von 600 Fans, kamen in einer hektischen Schlussphase nochmal zurück. Glichen zum 29:29 durch Max Lippold (57:30) und zum 30:30 durch Jona Gruber (59:10) aus. Dazwischen verhinderte ein unnötiger Ballverlust eine mögliche Gensunger Führung. Also blieb auch das finale Momentum ungenutzt, was schließlich Ben Srugies 23 Sekunden vor Schluss zum Siegtor nutzte. „Wir sind cool geblieben“, konnte Eintracht-Coach Valentin Schmidt mit Fug und Recht über seine junge Mannschaft behaupten, die „ihre Reifeprüfung“ bestanden hatte.
Bei den einst so euphorischen Edertalern dagegen ist das Vertrauen in das eigene (Angriffs-) Können einer deutlichen Verunsicherung gewichen. Drum kommt dem ESG-Trainer die zweiwöchige Spielpause gerade recht. Auch im Hinblick auf eine Rückkehr der Rückraumstrategen Max Bieber und Jannis Kothe. „Absolute Führungsspieler“, wie Julian Damm betont, „sie fehlen uns extrem.“ Das haben natürlich auch die Fans registriert, doch ein Trost für das Verpasste war das nicht.
ESG: Voß (14 P./30 G., 1 Tor), Kowalski (bei einem 7m); Sonnenschein 2, Rulff 1, Schmidt 4/2, Otto 1, Kindl 3, Gruber 4, Damm 5, Bikic, Fitozovic 2, Lippold 1, Richter, Garde, Saam 5, Rossel 1.
Hagen: Brockmeyer (16/29), Schmidt (bei einem 7m); Srugies 5, Mielke 9/5, Reshöft 2, Ricker, Füs 2, Ernst 2, Trute 2, Löffler 1, Pfalzer 1, Pogorzalski, Bökenkampf 1, Quittmann 1, Schneider 4, Sekowski 1.
SR: Thiemann/Scheffer. Z: 600.
Siebenmeter: 2/2:5/7.
Zeitstrafen: 20:10-Minuten
Rote Karte: Sonnenschein (41., Foulspiel).
Quelle: HNA Homepage