
Pechvögel Rossel und Pregler – frustrierter Fitozovic bei höchster MT-Niederlage gegen Gensungen
Gensungen – Spannung hatte das Drittliga-Derby überraschend wenig zu bieten. Der 34:24-Coup von Aufsteiger ESG Gensungen/Felsberg gegen die MT Melsungen II war sogar der höchste Derbysieg in der Gensunger Geschichte. Womit die ESG ihre Bilanz gegen die MT II auf acht Siege bei nur zwei Niederlagen schraubte. Als höchster Derbyerfolg insgesamt bleibt das 28:16 der MT im November 1991 aus den 26 Duellen der ersten Mannschaften. Doch auch dieses Nachbarschaftsduell hatte einiges zu bieten.
Groß war die Motivation all derer im Trikot der Edertaler, die eine Vergangenheit bei den Fuldatalern haben. Sie lösten diese Aufgabe mit Bravour und sportlich fair. „Das fühlt sich schon sehr gut an. Zum einen ist es eine Genugtuung, vor allem aber überwiegt der Stolz auf unsere überragende Mannschaft“, erklärte Julian Damm stellvertretend, der einst bei den MT Talents in der A-Jugend Kapitän war. Der Kreisläufer wertet diesen in der Höhe so deutlichen Erfolg aber auch als „Zeichen an die Liga.“ Und möchte diesen Sieg mit seinem Team in den kommenden Wochen veredeln. Gemeinsam mit den treuen ESG-Anhängern, die am kommenden Sonntag per Bus auch nach Hildesheim reisen werden. „Für die Fans wäre ein spannendes Derby sicher besser gewesen, aber wir wollten es klarer machen.“ Gesagt, getan.
Das hatte sich Benjamin Fitozovic anders vorgestellt. Ganz anders. Das erste Derby gegen seinen Cousin Edin, der ein Faktor auf dem Weg zum Edertaler Triumph war. Nachdem es in dieser Höhe zur Pause nicht ausgesehen hatte, nachdem der Kapitän der MT II auf 13:15 verkürzt hatte. Zwar hatte die „Geheimwaffe“, das Sieben-gegen-Sechs, nicht gezündet. Doch im Sechs-gegen-Sechs „haben wir es ordentlich gemacht“. Dann aber waren 18 Fehlwürfe nach der Pause viel zu viel. „So kann man in der 3. Liga kein Spiel gewinnen. Vor allem aber darf man sich nicht so in einem Derby präsentieren, das war fast schon peinlich, wie wir uns viel zu früh unserm Schicksal ergeben haben“, haderte Benjamin Fitozovic. Der an seinem morgigen 24. Geburtstag daher wohl die eine oder andere Frotzelei über sich ergehen lassen muss.
Franco Rossel (ESG) und Max Pregler (MT) hätten dem Derby nur allzu gern ihren Stempel aufgedrückt. Doch Rossel verletzte sich beim letzten Wurf beim Warmmachen. Der Oberschenkel machte dicht. Dadurch rückte Michel Richter ins Aufgebot – und konnte sein Glück beim Treffer zum 34:24-Endstand per Siebenmeter kaum fassen. Überragend auch die Reaktion aller Gensunger, weil Rossel eigentlich im Mittelblock mit Damm hätte beginnen sollen. Pregler hingegen plagten Knieschmerzen, deswegen muss er die Tage zum Arzt. Womit er in bester Gesellschaft war und die Abfuhr der Edertaler tatenlos neben der Platte verfolgen musste. Seite an Seite von Kevin Trogisch als zweitem Ex-Gensunger, Philip Hornaff, Julian Kreile und Jost Liebergesell. Fünf von neun Rückraumspielern aus dem Drittliga-Kader, die Melsungen spürbar fehlten.
Dass Handballspiele verlegt werden, weil die Protagonisten im Anschluss ein höherklassiges Spiel verfolgen wollen, gehört durchaus zum guten Ton. Extra für das Drittliga-Derby wurde allerdings auch ein Fußballspiel um eine Stunde nach vorn geschoben. Die Verantwortlichen der SG Neukirchen/Röllshausen kamen damit einem Wunsch von Friedhelm Janusch nach, der Trainer des FC Homberg ist. Denn der 76-Jährige ist nicht nur der erfahrenste Fußballtrainer im Kreis, sondern auch Fan der Edertaler und hat seit 30 Jahren eine Dauerkarte. Somit konnte Janusch das Handball-Derby komplett genießen, nachdem er in der Fußball-Gruppenliga zuvor beim 0:2 in Neukirchen immerhin eine stark verbesserte Leistung seines Teams gesehen hatte.
In der 29. Minute war der Handball plötzlich Nebensache. Ein Mädchen war auf der Tribüne ohnmächtig geworden. Ein Schock nicht nur in unmittelbarer Nähe für die heimischen Fans. ESG-Mannschaftsarzt Meinhard Rudolff eilte sofort zur Hilfe und konnte schnell Entwarnung geben. Nach zehn Minuten Unterbrechung wurde das Spiel fortgesetzt. Ab der 40. Minute saß das Mädchen wieder am Spielfeldrand, nachdem es von den Sanitätern des Deutschen Roten Kreuz betreut worden war.