
ESG im Aufsteigerduell chancenlos – Positionsangriff enttäuscht beim 30:35
Gensungen – Der Kapitän brachte es auf den Punkt: „Wir hatten heute einfach zu viele Baustellen.“ Die, gepaart mit einem „richtig starken Gegner“, hatten laut dem selbstkritischen Jannis Kothe, Rückraumspieler der ESG Gensungen/Felsberg, zu einer schmerzlichen 30:35 (10:15)-Heimpleite des heimischen Handball-Drittligisten im Aufsteigerduell gegen die Sportfreunde Loxten geführt.
Deren Trainer Fröbel sich im Gegensatz zu seinem frustrierten Kollegen Heinrich Wachs (“Uns hat heute das Feuer gefehlt“) über einen „souveränen Auftritt“ seiner Mannschaft freuen konnte: „Wir haben Gensungen früh den Schneid abgekauft.“ Nach einer Viertelstunde (6:9) bereits, als sich die größte „Baustelle“ der ESG offenbart hatte: ein Positionsangriff ohne Durchschlagskraft und ohne Ideen gegen die aggressive gegnerische 6:0-Deckung.
Die auf den Halbpositionen hoch presste und dabei insbesondere den zuletzt so starken Rückraumrechten Kothe auf dem Kieker hatte – und nicht zur Entfaltung kommen ließ. Natürlich ergaben sich aus dieser Sonderbehandlung Räume für dessen Mannschaftskollegen, doch konnte Spielmacher Jona Gruber diese nicht nutzen. „Uns fehlten die Tiefe und der nötige Ballfluss“, kritisierte Gensungens Coach.
Bis zum 6:5 (11.) durch Teja Sonnenschein fiel das noch nicht ins Gewicht, denn zunächst hielt sich die Edertaler Offensive mit ihren Tempogegenstößen über Wasser. Doch als dann auch noch die gut gestartete Gensunger Defensive nachließ, zogen die Ostwestfalen erstmals davon: auf 9:6 (15.) und 12:8 (18.).
Ihr „Motor“ war der überragende Janko Bozovic, der bis dahin bereits fünf Mal traumhaft sicher aus dem Rückraum eingenetzt hatte. „Es lief ganz gut“, freute sich der 41-jährige österreichische Nationalspieler, der beim Neuling noch einen Vertrag bis Dezember hat und dann möglicherweise nach Kuwait zurückkehren wird.
Als ihn nach 20 Minuten Maximilian Lippold endlich an die Kette nahm, tauten seine Nebenleute Simon Strakeljahn und Alexej Demerza auf. Zudem war zwischenzeitlich angesichts der Angriffsschwäche der Gastgeber auch die erste und zweite Welle über die flinke Flügelzange Menger/Patzelt auf Touren gekommen. Eine Leichtigkeit des Seins, die im Widerspruch zu den verbissenen und unfruchtbaren Versuchen des Kontrahenten stand, endlich ins (Offensiv-) Spiel zu finden, woran auch Wachs` personelle Korrekturen in seiner Aufbaureihe nichts änderten.
Nach dem Wechsel ließen die Sportfreunde nichts mehr anbrennen. Zwar gelang es der ESG, zwei (unnötige) Zeitstrafen schadlos zu überstehen. Doch die dritte brach ihr endgültig das Genick, denn Loxten enteilte auf 25:18 (40.) davon. Also hatte Linkshänder Bozovic seine Schuldigkeit getan, wurde durch den jungen Aaron von Ameln ersetzt.
Symptomatisch für die wankelmütige Offensive der Gastgeber: ein von Vince Schmidt verworfener Siebenmeter und zwei Louis-Tore ins leere Gensunger Gehäuse. „Wir wollten es erzwingen, statt klare Chancen zu kreieren“, gestand Jannis Kothe. Das ging komplett schief, zumal auch die eigene Deckung die gegen Spenge demonstrierte Kompaktheit vermissen ließ.
So blieb es bei einem einzigen Lichtblick: Fynn-Nicolei Saam als Ersatz für den verletzten Rechtsaußen Ben Backhaus, der bei fünf Versuchen fünf Mal traf. Der Neuzugang sprach nach seinem zweiten Einsatz über 60 Minuten von einem „guten Gefühl, angekommen zu sein“. Allerdings getrübt von zwei Niederlagen. Die Konsequenz: Der Druck ist da, hat die Aufstiegseuphorie verdrängt.
ESG: Voß (11 Paraden/26 Gegentore), Kowalski (ab 27., 3/9); Sonnenschein 3, Rulff, Schmidt 7/2, Otto 1, Kindl, Gruber 3, Damm 4, Bikic 1, Fitozovic 1, Lippold, Richter, Kothe 4, Saam 5, Rossel 1.
Loxten: Wesemann (8/22), Stroth (ab 46., 4/8); Weischer, Menger 7, Gernus, Bozovic 7, Strakeljahn 6, Brockmeyer 1, Patzelt 5, Louis 4, Schröder 1, von Ameln 2, Kalter, Demerza 2, Schöße 1/1.
SR: Scholl/Krick. Z: 630.
Siebenmeter: 2/4:1/1.
Zeitstrafen: 16:0-Minuten.