
Gensungen und Melsungen II vor richtungsweisendem Nachbarschaftsduell
Gensungen/Melsungen – Dieses Spiel elektrisiert nicht nur das Edertal und das Fuldatal. Das Derby zwischen der ESG Gensungen/Felsberg und der MT Melsungen II, die sich erstmals in der 3. Liga Nord-West messen werden (Sa. 19.30 Uhr, Kreissporthalle Gensungen). Mit zusätzlichem Druck auf dem Kessel, weil Neuling Gensungen nach einem anständigen Start zuletzt zwei Niederlagen kassierte und die MT II trotz verbesserter Leistungen gar vier Spiele in Serie verlor.
„Die Sehnsucht nach einem Sieg ist groß. Wir wollen unseren Verein entsprechend repräsentieren“, macht Heinrich Wachs deutlich. Der Trainer, der mit der ESG beim 34:36 in Ahlen zwei Punkte verschenkte, ehe Lippe II dem Aufsteiger beim 41:32 die Grenzen aufzeigte. „Weniger Lücken entstehen lassen“ ist eine Forderung als Konsequenz aus der jüngsten Niederlage. Wachs warnt vor den Stärken im Eins-gegen-Eins von Elias Wöhler und Leander Altena, aber auch vor dem Zusammenspiel Wöhlers mit Kreisläufer Jason Wilfer.
Mit etwas Glück könnte Jona Gruber eine zusätzliche Option werden, falls der Stratege rechtzeitig fit werden sollte. Doch ohnehin sind die Auswahlmöglichkeiten bei der ESG weiterhin bestens. Nicht nur in der Deckung hat etwa Felix Kindl einen Schritt gemacht. Der 20-Jährige hatte zuletzt einiges an Spielzeit. Gerade in einem derart brisanten Derby bedarf es auch der Routine von Kapitän Jannis Kothe, Kreisläufer Julian Damm oder von Franco Rossel. Dessen „Mentalität und Willen“ lobt Wachs besonders und betont: „Franco gibt uns sehr viel.“
Das ist keine Selbstverständlichkeit. Denn Rossels höherklassige Karriere schien im September 2021 nach nur drei Drittliga-Einsätzen jäh beendet. Im Training war ihm die Kniescheibe herausgesprungen, er musste zwei Operationen über sich ergehen lassen. 2022 wagte er einen Neustart unter seinem Vater Frank Rossel bei seinem Heimatverein HSG Wesertal in der Oberliga, um 2024 auch sportlich ins Edertal zurückzukehren. Denn seit 2018 lebt er bereits mit seiner Ehefrau Lena in Gensungen, denen er sich handballerisch 2015 angeschlossen hatte. „Das Drittliga-Logo auf dem Arm ist schon klasse“, betont der 31-Jährige voller Stolz. Glücklich darüber, dass er sich nach einiger Bedenkzeit aus verschiedenen Gründen im Sommer entschieden hatte, sich noch einmal beweisen zu wollen.
Obwohl der Ehrgeiz des ehemaligen Kapitäns weiter ungebrochen ist, legt er aber auch die nötige Gelassenheit an den Tag. „Die Tore können bei uns gern die Jüngeren werfen. Ich freue mich inzwischen mehr, wenn ich Tore des Gegners verhindern kann“, unterstreicht das Kraftpaket. Und ebenso wie sein Trainer bestrebt ist, dass keiner überzieht. Also keiner der ehemaligen MT-Akteure, die sich naturgemäß am Samstag vor proppevollen Rängen besonders beweisen möchten. „Zwei Punkte wären für jeden die Kirsche auf der Torte, aber das Spiel sollte schon so laufen, dass wir danach alle gemeinsam ein Bier trinken können“, erklärt Rossel. Der seinem einjährigen Sohn Carl später nur allzu gern erzählen würde, dass sein Papa ein Drittligahandballer und Derbysieger war.
Bei der MT war vor dem Derby erstmal Wunden lecken angesagt. „Schwer zu verdauen“ fand Regisseur Elias Wöhler die 31:32-Niederlage gegen Ahlen, besiegelt durch ein Gegentor in der letzten Sekunde. Der Trainer ging bei der Aufarbeitung voran. „Das war unglücklich, aber kein Drama“, sagte Florian Weiß. Und: „Mit dieser Leistung und den richtigen Lehren haben wir in Gensungen durchaus eine Chance.“
Die Lehren: „Unsere Abwehr muss besonders in den entscheidenden Situationen noch griffiger werden.“ Wenig auszusetzen hatte er trotz ein paar Aussetzer zu viel an der eigenen Offensive: „Mit unserem variablen Spiel können wir jede Defensive vor Aufgaben stellen.“ Personifiziert durch zwei Wirbelwinde, die vor ihrem Derby-Debüt stehen und „richtig Bock“ darauf haben: Spielmacher Wöhler und Linkshänder Altena. Ihre explosionsartigen Durchbrüche sorgen dafür, dass die Mannschaft kaum auf Rückraumtore im gebundenen Spiel angewiesen ist.
„Wir müssen gerade gegen Gensungen intensiv ins Tempospiel gehen, um den kompakten 6:0-Riegel zu knacken“, lautet die Marschroute von Elias Wöhler, wofür besonders der Ex-Eisenacher als torgefährlicher Regisseur prädestiniert ist. Die Breite ergibt sich schon allein daraus, dass die Bartenwetzer auf den Flügeln mit Jakob König, Lino Duketis und Benjamin Fitozovic enorm abschlussstark sind. Auch Leander Altena taucht schon mal auf Rechtsaußen auf, ist aber ansonsten für seinen enormen Zug zum Tor aus dem rechten Rückraum gefürchtet. „Wir sind da“, macht er sich und seinen Nebenleuten Mut. In der Hoffnung, dass sich die gute Form der Mannschaft nun endlich in Punkte ummünzen lässt.
Die Youngster Lino Duketis und Kim Hüter laufen ebenfalls zum ersten Mal vor solch`einer großen Kulisse in Gensungen auf. Doch genau diese Atmosphäre kennt der Linksaußen „in- und auswendig“. Von der Tribüne, aus den Duellen seines Vaters Dino Duketis, allerdings im Gensunger Trikot. Deshalb ist sich der Filius auch nicht ganz sicher, ob der ehemalige Rechtsaußen seiner Mannschaft die Daumen drückt: „Das schlagen sicherlich zwei Herzen in seiner Brust.“
Torhüter Hüter will ins Nachbarduell „wie in jede andere Partie“ gehen – und dabei „ganz bei sich bleiben“. Was sein Trainer begrüßt. Mit derlei Unbekümmertheit lässt sich beim Nachbarn wohl am meisten erreichen. Und wenn mal Rat gefragt ist, sind die Derbyveteranen Martin Reinbold und Max Pregler ja auch noch da.
Quelle: HNA Homepage