
Gensungen – Als noch vier Minuten zu spielen waren, erhoben sich die 850 Zuschauer auf der proppenvollen Tribüne. Huldigten ihren Helden mit Ovationen, die für eine Gänsehautatmosphäre in der Gensunger Kreissporthalle sorgten. Der Applaus wurde noch enthusiastischer, als auch Torjäger Vince Schmidt sein Tor zum Aufstiegssieg beitrug (58.). Aber eigentlich war das Spiel, weil gelaufen, mittlerweile nebensächlich. Die HSG Breckenheim/Wallau/Massenheim hatte sich nach zähem Widerstand geschlagen gegeben, verzichtet nach dem 29:21 durch Hannes Iffert 20 Sekunden vor Schluss gar auf einen möglichen letzten Angriff, während sich die Akteure der ESG Gensungen/Felsberg bereits in den Armen lagen. Und wenig später als einzige tanzende Spielertraube die vorzeitige Meisterschaft in der Handball-Regionalliga feierten.
„Ich kann`s noch gar nicht fassen“, stammelte ESG-Trainer Fynn Welch. Sein Rückraumrechter Jannis Kothe fühlte sich einfach nur „megaglücklich und megaerleichtert, dass wir es endlich geschafft haben.“ Denn der „Rucksack“ war in den vorausgegangenen Jahren, als die Edertaler stets als Aufstiegsfavorit gehandelt wurden und scheiterten, „immer schwerer geworden“. Drum sah Max Bieber seinen Auftrag „erfüllt“. Der Aufbauspieler war vor der laufenden Saison von Baunatal ins Edertal gewechselt mit der Maßgabe, die Rückkehr in die 3. Liga zu realisieren.
Dabei war der finale Schritt ins langersehnte Glück fünf Spieltage vor Schluss alles andere als ein Selbstläufer. Eher eine titelwürdige Herausforderung. Die Fans präsentierten sich schon vor der Partie in Feierlaune, doch die Mannschaft musste noch einmal liefern. Gegen einen unangenehmen Gegner, der 45 Minuten lang mithielt.
Stets mit einem siebten Feldspieler operierend, wussten die Gäste zunächst insbesondere ihre torgefährlichen Außen Dominik Krawczak und Lukas Kummerer in Szene zu setzen. Die Gensunger hatten zwar dank eines vierten Rückraumspielers, der immer wieder zum Kreis hin auflöste (Julian Damm und Hannes Iffert), durchaus praktikable Lösungen gegen die offensive HSG-Abwehr parat, leisteten sich aber einige Fahrkarten. Nach Biebers Treffer zum 12:7 (25.) ergab sich trotzdem die Möglichkeit, früh vorentscheidend wegzuziehen, doch das verhinderte der eingewechselte Eric Schäffter mit drei Toren vor dem Wechsel.
Diese riefen in der Pause insbesondere Co-Trainer Gernot Weiss auf den Plan und der seine Schäfchen zur Ordnung. Die ließen sich nicht lumpen. Verteidigten vor einem starken Torwart Lukas Voss die Südhessen mürbe, die schließlich abreißen lassen mussten. Zwei 3:0-Läufe zum 23:16 (46.) und 27:18 (52.) sorgten für Hochstimmung und die Entscheidung.
„Ich wusste, dass wir das heute packen“, erklärte Teja Sonnenschein. Zu dieser Überzeugung hatte ein Blick des Linksaußen vor dem Spiel in die entschlossenen Gesichter seiner Kameraden beigetragen. Auch die wollten feiern, aber nach getaner Arbeit. Und in den orangefarbenen Aufstiegspullovern, mit denen sie beim Bad in der Menge stets zu identifizieren waren. Bis weit in die Nacht. Und in den Morgen.
RALF OHM
Gens./Felsberg: Voß (17 Paraden/18 Gegentore), Kowalski (ab 54., 1/3); Iffert 2, Sonnenschein 2, Schmidt 1, Backhaus, Otto, Bieber 5, Gruber 3, Damm 5, Bikic 1, Fitozovic, Lippold 1, Kothe 3, Garde 6/5.
Breck./W/M: Schermuly (14/28), Quandt (bei einem 7m); Schäffter 3, Löffler 1, Obergfell, Osterhagen 1, Göttert 3, Vormbrock 3, Gottron 1, Beer 1, Kummerer 4/1, Lange 1, Krawczak 2, Sinnecker 1.
SR: Becker/Nickel.
Siebenmeter: 7/5:1/1.
Zeitstrafen: 8:2-Min. – Z.: 900.
Quelle: HNA Homepage