Gensungen – „Es gibt ja noch eine Halbzeit“, sagte Harald Birk, Torwarttrainer der ESG Gensungen/Felsberg nach der ersten Halbzeit. Klang nach dem dürftigen 14:13 des heimischen Handball-Regionalligisten zur Pause gegen Aufsteiger Holzheim wie eine Beruhigungspille. Verbunden mit der Hoffnung, dass sich sein Team, das auf den erkrankten Vince Schmidt verzichten musste, in der zweiten Halbzeit endlich spielentscheidend und standesgemäß absetzen konnte. Doch dazu musste sie einen Zahn zulegen. Das gelang spät, aber nicht zu spät. Und mündete in einen 28:23-Erfolg, der dem Sieger weniger Lob als dem Verlierer einbrachte.
Denn der hielt 50 Minuten formidabel mit. Und als Thimo Wagner sowie Lukas Bährens zum 20:20 bei gleichzeitiger Zeitstrafe für Hannes Iffert ausgleichen konnten (47.), schien sogar eine Überraschung (wie im Hinspiel) möglich. Doch der Favorit konterte mit einem 3:0-Lauf zum 23:20 (53.) und erhöhte auf 26:22 (57.). Was vorrangig dem treffsicheren Jannis Kothe, der nach seiner langen Verletzungspause „auf gutem Weg ist“ (Kothe), und einer sich steigernden 5:1-Deckung geschuldet war. „Wir haben rechtzeitig eine Schippe drauf gelegt“, konnte Tempogegenstoßspezialist Maximilian Lippold mit Fug und Recht behaupten.
Womit sein Trainer nicht zufrieden war. Im Gegenteil. Fynn Welch sprach von der „schlechtesten Saisonleistung“. Warum? „Weil wir den Kampf nicht angenommen haben.“ Dabei hatte der ESG-Coach per Auszeit frühzeitig und effektvoll eingegriffen. Beim 6:4 (15.), als sich der Edertaler Chancenwucher bereits andeutete und dann nach dem 9:4 (18.) – einem allzu trügerischen Vorsprung – so richtig ausbrach. „Da sind wir wieder in alte Muster zurückgefallen“, kritisierte der 30-Jährige.
Konkret: TuS-Torwart Ben Fischer wurde, besonders aus der Nahwurfzone, warmgeworfen und Gensungens Deckung ließ sich von den langen Ballpassagen des Gegners „einlullen“ (Lippold), um dann Räume für die Durchbrüche des agilen Lukas Fischer zu bieten. Da war selbst der gut aufgelegte Lukas Voß machtlos. Die Folge: Beim 9:8 (22.) war der Außenseiter dran, beim 11:13 (28.) vorn – und Fynn Welch musste seine Jungs erneut zur Ordnung rufen.
Das gelang kurzfristig (bis zur Pause), aber nicht nachhaltig. Selbst einen 18:15-Vorsprung nach 40 Minuten ließen sie sich wieder nehmen, um dann doch noch – wie erwartet – auf die Siegerstraße einzubiegen. Die Lücke zwischen dem (eigenen) Anspruch und der aktuellen Wirklichkeit auf der Platte konnten die Spieler dadurch nicht schließen. Auch deshalb war der Ärger von Gensungens Trainer, dem 12. Saisonsieg zum Trotz, noch lange nicht verraucht.
RALF OHM
Gens./Felsberg: Voß (13 Paraden/20 Gegentore), Ullrich (ab 51. 2/3); Iffert 5, Seibert, Pickenhahn, Wachs 2, Otto 4/1, Jakobi, Lippold 5, Kothe 8, Berninger 3, Fitozovic, Garde 1/1.
Holzheim: B. Fischer (16/28); Langenau, Chodykin 1, Becker 3, L. Fischer 9, Giebenhain, K. Fischer, Wolfgram, Dettling 1, Schenk 2, Meffert 1, Bährens 1, Wagner 4/3.
SR: Karsazy/Klöckner.
Siebenmeter: 3/2:4/3.
Zeitstrafen: 6:6-Min. – Z.: 300.
Quelle: HNA Homepage