
Offenbach – Sie haben`s noch mal gemacht, die Handballer der ESG Gensungen/Felsberg. Wie vor sechs Jahren am selben Ort gegen den gleichen Gegner. In der Höhle des Löwen den Löwen gezähmt, den mutmaßlich letzten Angriff des ärgsten Verfolgers abgewehrt. Und mit einem 31:30 (13:13)-Erfolg im Regionalliga-Gipfel bei der TSG Offenbach-Bürgel erneut unwiderstehlich Kurs auf die 3. Liga genommen.
„Wir müssen Mut haben“, hatte Gensungens Co-Trainer Gernot Weiss seinen Schützlingen mit auf dem Weg ins Spitzenspiel gegeben. Mut zum Risiko, Mut dabei durchaus auch mal Fehler zu machen. Und die ESG begann mutig. Mit feinen Anspielen an den Kreis (Damm), mit gewonnenen Zweikämpfen über Außen (Sonnenschein) und pfeilschnellen Tempogegenstößen (Backhaus). Eine 3:1-Führung nach sechs Minuten gefolgt von drei Treffern in Folge zum 2:7 (11.).
Dann riss der vielversprechend geknüpfte Spielfaden der Gäste. Der Grund war weniger die frühe Einwechslung von TSG-Spielertrainer Büde (20.) als die Rote Karte für Rechtsaußen Backhaus (12.) sowie fünf Zeitstrafen gegen den Tabellenführer, der sich zudem gegen die offensive Deckung der Südhessen im Positionsangriff immer schwerer tat. Ein Sinnbild dafür waren zwei Schlereth-Treffer ins leere ESG-Tor zum 7:7 (15.).
Daran änderte auch Fynn Welchs gewohnte Rotation im Rückraum nichts. Die jungen Fitozovic und Bikis kamen mit Ecke, Büde und Co. ebenfalls nicht zurecht. Dass die Gastgeber daraus bis zur Pause nur wenig Kapital schlagen konnten, lag an der kompakten ESG-Defensive, die nur Linkshänder Timo Kaiser nicht in den Griff bekam. Und an einem glänzend aufgelegten Teja Sonnenschein. Der Linksaußen glich mit seinem sechsten Tor mit dem Halbzeitpfiff zum 13:13 aus.
Trotzdem. Die Offensive aus dem gebundenen Spiel blieb auch nach dem Wechsel das nordhessische Sorgenkind. Abhilfe schaffte weiterhin das schnelle Umschalten. Und eine 6:0-Deckung, die es den TSG-Angreifern ebenfalls sehr schwer machte. Allenfalls Leon Eck fand ab und an eine Lücke. Die Folge: Ein Abnutzungskampf, ein Spiel auf des Messers Schneide.
Als Vince Schmidt mit seinem vierten Tor zum 22:24 (44.) traf, schien sich Gensungens Shooter-Aufbaureihe doch noch etwas freispielen zu können. Doch dann traten die schwachen Schiedsrichter mit zwei weiteren fragwürdigen Zeitstrafen gegen die Gäste auf den Plan – und machten damit deren Absetzversuch zunichte. Also ging`s nach Ecks sechstem Treffer zum 25:25 (49.) von vorne los.
Es drohte ein Herzschlag-Finale, in dem die Gensunger zumindest auf der Tribüne klare Vorteile hatten. Und diese Unterstützung brauchten ihre Helden, nachdem Hannes Garde und Vincent Schmidt für das 29:31 gesorgt hatten. Diesen Vorsprung galt es nämlich in Unterzahl zu verteidigen. Das gelang. Weil sich insbesondere der eingewechselte Torwart Kowalski inspirieren ließ. Mit den drei wichtigsten Paraden seiner noch jungen Karriere.
„Ich bin glücklich, meine Mannschaft hat toll gekämpft“, freute sich ESG-Trainer Welch. Gezeichnet von einem Krimi, der in die Annalen der Geschichte des Vereins eingehen wird. Wie der Coup vor sechs Jahren.RALF OHM
Offenbach-Bürgel: Ph. Gutknecht 6(6 Paraden/20 Gegentore), Eberhardt (ab 41. 11/1); J. Hoffmann 1, Eck 7, L. Kaiser, L. Gutknecht, Ahouansou, Pjanic, Köbe, Büdel, Lenort, Gaydoul 3, Chr. Hofmann 4, Schlereth 3, T. Kaiser 10/4.
Gens./Felsberg: Voß (7/27), Kowalski (ab 52., 3/2); Iffert, Sonnenschein 7, Schmidt 6, Backhaus 1, Otto 4, Bieber 4, Gruber 2, Damm 1, Bikic, Fitozovic, Lippold, Kothe 3, Garde 4/3, Rossel.
SR: Minwegen/Rautschka.
Siebenmeter: 4/4:4/3.
Zeitstrafen: 8:18 Minuten.
Quelle: HNA Homepage